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    Lehrstuhl für Orthopädie

    Vorgeschichte und Historie

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    Abb. 1) Johann Georg Heine (1771-1838). Rechts das von ihm eröffnete Orthopädische Karolinen-Institut, benannt nach der Bayerischen Königin Karoline.

    Der Lehrstuhlinhaber der Universität Würzburg für das Fach Orthopädie ist traditionell in Personalunion der Chefarzt der Orthopädischen Klinik König-Ludwig-Haus des Bezirks Unterfranken. Orthopädie hat Tradition an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, die vor allem durch die Gebrüder Heine grundgelegt ist. Die Familie Heine hat Entwicklungen in der Orthopädie nachhaltig beeinflusst, durch sie gilt Würzburg als die Wiege der konservativen Orthopädie, m.E. also auch der Osteologie. Die beiden berühmtesten Vertreter seien hier in aller Kürze vorgestellt.

    Johann Georg Heine gilt als Begründer der Orthopädie in Deutschland. Er wurde am 3. April 1771 in Lauterbach im Schwarzwald geboren. Er erlernte in Überlingen das Handwerk eines Messerschmieds, ging anschließend auf Wanderschaft und wurde im Mai 1798 Instrumentenmacher für die Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Er begründete eine Werkstatt zur Entwicklung und Herstellung medizinischer Hilfsmittel und erstellte ein „Systematisches Verzeichnis chirurgischer Instrumente, Bandagen und Maschinen“ (Würzburg 1807). Er widmete sich dann der Weiterentwicklung des neuen Faches Orthopädie und eröffnete 1816 im ehemaligen Stephans-Kloster die erste orthopädische Anstalt auf deutschem Boden, die später unter dem Namen Karolinen-Institut, benannt nach der bayerischen Königin Karoline, weithin bekannt wurde (Abb. 1).

    Abb. 2) Bernhard Heine (1800-1846). Rechts das von ihm entwickelte Osteotom.

    Sein Neffe Bernhard Heine wurde am 20. August 1800 in Schramberg geboren. Die Eltern Bernhard Heines schickten ihren Sohn bereits im Alter von zehn Jahren nach Würzburg zu Johann Georg Heine, wo er zum Orthopädiemechaniker ausgebildet wurde. Bernhard Heine hatte auf Fürsprache seines Onkels hin Zutritt zu anatomischen Vorlesungen und zu praktischen Vorführungen in der Chirurgie. Mit 20 Jahren unternahm er zahlreiche Reisen zur Vertiefung seiner medizinischen Kenntnisse. 1822 kehrte er an das Karolinum zurück. Nach dem Wegzug Johann Georgs nach Holland übernahm er die Gesamtleitung des Karolinen-Instituts. Seine bedeutendste Entwicklung war das Osteotom, das er 1834 auf der Akademie der Wissenschaften in Paris präsentierte. Er erhielt zahlreiche Forschungspreise und internationale Anerkennung. Er starb 1846 in Thun und wurde in Würzburg begraben.

    Das im Jahr 1916 gegründete König-Ludwig-Haus ist seither die Klinik, in der die Lehrstuhlinhaber für Orthopädie als Chefärzte die Versorgung orthopädischer Patienten sicherstellen. Der Gründer des König-Ludwig-Hauses war Prof. Jakob Riedinger. Bei dem Großangriff auf Würzburg am 16.03.1945 wurde auch das König-Ludwig-Haus zu 80% zerstört, was zu einer vorübergehenden Verlegung der Klinik in das Kloster St. Ludwig bei Wipfeld führte. Unter Kaspar Niederecker erfolgte von 1946 bis 1948 der Wiederaufbau der Klinik.

    Von 1986 bis 2009 war Herr Prof. Jochen Eulert als Ordinarius für Orthopädie und Chefarzt der Klinik tätig. Anfang der 90er Jahre reifte der Plan, dem Lehrstuhl und dem König-Ludwig-Haus eine Forschungseinheit anzugliedern. Die Entscheidung, eine Stelle des Lehrstuhls in eine Wissenschaftlerstelle umzuwidmen war hierfür der erste Schritt. Erste Aufbauarbeit leistete in dieser Position Herr Prof. Dr. Norbert Schütze als Laborleiter eines experimentellen Forschungslabors. Die Umwidmung einer C3-Professur in eine Forschungsprofessur konsolidierte die künftige Entwicklung ganz erheblich.

    Im Jahr 2001 wurde Herr Prof. Dr. Franz Jakob auf die Stelle eines C3-Professors für Experimentelle und Klinische Osteologie berufen. Zeitgleich mit seiner Amtseinführung gelang es, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft die Förderung einer Klinischen Forschergruppe zu erhalten. Unter dem Titel „Osteogene Stammzelldifferenzierung und Therapie von Knochenverlust“ nahm die Forschergruppe ihre Arbeit auf und entwickelte das neuentstandene Forschungszentrum zum Orthopädischen Zentrum für muskuloskelettale Forschung. Dieses Centrum war der Kristallisationskeim für die Gründung des Muskuloskelettalen Centrums Würzburg MCW, das einen Höhepunkt in der Sichtbarkeit muskuloskelettaler Forschung an der Fakultät  Würzburg darstellt und das auch national eine hohe Sichtbarkeit erreichen konnte.  Die Übergabe des Lehrstuhls für Orthopädie von Herrn Prof. Jochen Eulert zu Herrn Prof. Maximilian Rudert im Jahr 2008 markierte einen weiteren Schritt in der Entwicklung der Orthopädie in Würzburg. Herr Prof. Rudert ist spezialisiert auf Tumororthopädie und der Ausbau dieses Segments der orthopädischen Versorgung ist ein erklärtes Ziel für die nächsten Jahre.

     

     

     

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